Künstliche Intelligenz beim Musikmachen

Kürzlich erst erhielt ich von der Firma Steinberg, wo ich u.a. als eingetragener User angemeldet bin, eine Email mit einer repräsentativen Umfrage. Darin durfte ich als Künstler einige Wünsche äussern, was ich mir für die Zukunft an die Steinberg-DAW (Digital Audio Workstation) Cubase wünsche.

Bei einer konkreten Frage, bin ich dann doch etwas erschrocken. Diese lautete in etwa wie folgend: „Wünschen Sie als Benützer in Zukunft mehr künstliche Intelligenz in der Steinberg DAW?“ Sofort kam mir dabei die aktuelle Debatte über die zukünftige Rolle der Robotik und künstliche Intelligenz auf den Arbeitsmarkt und der Wirtschaft, in den Sinn. Mein erster Gedanke war: „Roboter nehmen uns die Jobs weg!“

Mein Album Synapes wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz produziert.

Und direkt danach erinnerte ich mich an einen Interview mit dem deutschen Philosophen Richard David Precht, welches ich mal am TV gesehen hatte. Darin beteuerte Precht vehement, dass uns eine „digitale Revolution“ bevorstünde (durchaus vergleichbar mit der industriellen Revolution am  Anfang des 19. Jahrhunderts). Diese Revolution werde in naher Zukunft unsere komplette Lebens-, respektive Arbeitsweise auf den Kopf stellen.

So erscheint die Kundenumfrage Steinbergs und die darin enthaltenen Fragen über künstliche Intelligenz in den Steinberg-Produkten durchaus gerechtfertigt. Auch ich arbeite mehrheitlich mit der Steinberg Cubase-DAW. Und bereits in meinen letzten zwei Alben Weird und Synapses kam künstliche Intelligenz zum Einsatz.

Das Mixing und Mastering der beiden Alben aus den Jahren 2016 und 2017, nur um hier einige Beispiele zu nennen, geschah mit direkter Hilfe künstlicher Intelligenz. Damit meine ich nicht etwa die übliche Anwahl von Presets. Sondern, dass Plugins der Firma iZotope u.a. in der Lage sind, laufende Projekte logisch zu analysieren und tontechnisch individuell, in Echtzeit anzupassen und zu verbessern. Direkt in der DAW, während man am Stück arbeitet. Am PC und ohne zusätzliche menschliche Hilfe, wohlgemerkt.

Wo bisher mehrheitlich bloss geschulte Tonigenieure in der Lage waren, Frequenzspektren anzupassen und anzugleichen, so übernehmen heute immer mehr, sich ständig anpassende Algorythmen (künstliche Intelligenz) die langwierige Arbeit.

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Das iZotope-Plugin hört zu und lernt

Es werden, beispielsweise Referenzlieder mit der Maus direkt ins Plugin reingezogen, welche gleich vom Programm analysiert werden, um dann den eigenen Projekt-Track in der DAW soundtechnisch anzugleichen. Oder einzelne Tonsequenzen werden sofort mit dem Track-Assistant analysiert (siehe Bild oben). Sofort werden im Equalizer Verbesserungs-Vorschläge unterbreitet. Und das alles geschieht individuell, sekundenschnell und ohne irgendwelche Abhängikeiten zu anderweitigen Studios oder externe Tontechniker.

Man spart so sehr viel Zeit und eine Menge Geld. Wer einmal ein Studio gemietet hat, weiss wovon ich rede. Auch nicht gänzlich irrelevant erscheint mir die entfallende Anreise zum Studio und der technische Aufwand, um dort alle Geräte anzuschliessen und zum Laufen zu bringen. Um dann schlussendlich mit der eigentlichen Mixing-Arbeit zu beginnen.

Doch ist auch hier (noch) nicht alles was glänzt Gold. Selbstverständliche reichen die künstliche Intelligenz-Anpassungen der Plugins (noch) nicht aus, um Musikstücke komplett fertig produzieren zu können. Stets vergehen immernoch Tage und Nächte, bis ein Stück schlussendlich gefällt und man es Mastern kann.

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Im Jahr 2001 war künstliche Intelligenz im Studio noch undenkbar.

Doch der Zeitaufwand hat sich in den letzten Jahren, dank der künstlichen Intelligenz der Pugins, um ein vielfaches reduziert. Und es erscheint mir logisch, dass sich die ständig verbessernden Algoryhtmen der künstlichen Intelligenz die Arbeitszeit im Studio in Zunkunft immer weiter und weiter schrumpfen lässt.

Die eigentliche Frage über künstliche Intelligenz in Steinbergs Umfrage sollte also nicht lauten „wollen Sie künstliche Intelligenz in der Steinberg-DAW?“, sondern: „sind Sie schon bereit für die künstliche Intelligenz in der DAW oder wollen Sie damit noch abwarten?“

Weil kommen wird sie so oder so. Soviel ist sicher.

 

 

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